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Einen Besuch im Vegesacker Logenhaus der Freimaurer am 4. Mai 2007
Es hat sich im Laufe der vergangenen sieben Jahre zu einer liebgewordenen Tradition entwickelt, dass der
Mitarbeiterkreis des Lesumer Heimat- und Verschönerungsvereins sich jeweils ein besonderes Ziel als Jahresausflug vornimmt. Bisher war es stets gelungen, Häuser und Institutionen auszuwählen, die üblicherweise nicht
öffentlich begehbar sind, zumindest würde man dort alleine nicht hineingehen.
Zufälle führen uns mit Menschen zusammen, deren Bekanntschaft für beide Seiten ein unvorhersehbarer Gewinn
sein kann. In diesem Fall lernten wir die Bruderschaft " Anker der Eintracht " der Freimaurer in Vegesack kennen. Dankenswerter Weise hat Rolf-Dieter Geffken als kompetenter Mann sich bereit erklärt, uns
das Haus zu öffnen und uns über die vermeintlichen "Geheimnisse der Freimaurer" zu informieren. Dass 23 Damen und Herren aus Lesum daran teilnahmen, lässt erkennen, dass dieses Thema allgemeines Interesse
fand.
Das im Jahre 1848 im klassizistischen Stil in der Vegesacker Weserstraße erbaute Haus,
erwarb die 1885 gegründete Loge 1899. Das Logenhaus hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Es musste auf Anordnung der Nationalsozialisten Anfang November 1934 verkauft werden und wurde ab Mai 1935 vom
Heimatverein für Vegesack, Kreis Blumenthal und Umgebung genutzt. Erst im Januar 1968 im Zuge der Wiedergutmachung konnte die Loge das Haus in der Weserstr. 7 wieder in Besitz
nehmen. Der große Versammlungsraum, der in der ersten Etage die gesamte Grundfläche einnimmt, hinterlässt durch die Einrichtung und die Bilderporträts an den Wänden einen warmen, einladenden Eindruck.
Rolf-Dieter Geffken, gewählter "Meister vom Stuhl", zu vergleichen mit einem Vorsitzenden eines
Vereins, und seine Logen Bruder Klaus Fischer nahmen sich viel Zeit, um über die Geschichte, Rituale und Symbolik der Freimaurerbewegung zu informieren. In der anschließenden Diskussion hätte man gerne die Zeit von
fast zwei Stunden überschritten. Wir erfuhren, dass die Logenmitglieder - auch Bruderschaft genannt - ausschließlich als Herrenkreis ihre Zusammenkünfte pflegen. Die jeweiligen Sitzungen verlaufen nach einem
disziplinierten Rituale, wobei die Herren aus den unterschiedlichsten Berufen kommen. Das schließt nicht aus, dass auch Damen an bestimmten Geselligkeiten teilnehmen.
Voraussetzung für die Aufnahme als Bruder in einer Loge ist, dass der Kandidat ein freier Mann von gutem
Ruf ist. Wenn ein Kandidat ein Aufnahmeantrag gestellt hat Stimmen die Brüder über diesen Antrag ab. Die Abstimmung Erfolges mittels weißer und schwarzer Kugeln in geheimer Abstimmung. Diese Abstimmung nennt man
Kugelung.
Nach einer positiven Abstimmung Erfolges die Aufnahme des Kandidaten. Es gibt in der Freimaurerei die
Grade Lehrling, Geselle und Meister. Der neu aufgenommene Bruder ist nach seiner Aufnahme Lehrling und lernt, den Ablauf in der Loge kennen. Nach ca. einem Jahr erfolgt die Beförderung zum Gesellen und nach einem
Zeitraum von rund einem weiteren Jahr die Erhebung zum Meister. Wie bei jedem anderen Vereinen ist auch in einem Logenvereinen ein monatliche Mitgliedsbeitrag sowie einmalige Gebühren für Aufnahme und Beförderungen
zu entrichten.
Die Loge ist keine Sekte und somit kein Kirchenersatz. Streitgespräche über Religion und Politik werden
bei den Zusammenkünften der Bruderschaft nicht geführt, sondern vermieden.
Interessanterweise hat unser ehemaliger Vorsitzender, Pastor Gerhard Schulze, in seinen Forschungen zur
bremischen Kirchengeschichte einen Aufsatz geschrieben mit dem Titel "Freimaurer als Pastoren der bremischen evangelischen Kirche".
Die Möglichkeit einer individuellen, religiösen Lebensführung und auch der politischen Entscheidungen
gehört zur Freiheit des Einzelnen.
Es darf durchaus erwähnt werden, dass insbesondere der Adel, ja selbst Kaiser und Könige den
Freimaurerlogen angehört haben. Mag früher der Gedanke, man wolle unter sich sein, ausgeprägter als heute, so wird immer noch, selbst bei Zugehörigkeit zu unterschiedlichen Berufsschichten auf ein gewisses Niveau
geachtet.
Die Grundsätze, „Humanität, Toleranz und Brüderlichkeit“ sind gleichbedeutend mit dem Begriff
„Nächstenliebe“. In Deutschland zählt man etwa 15.000 Freimaurer, deren Schutzpatron Johannis der Täufer ist.
Entstanden vor fast 300 Jahren, umgibt die Freimaurerei nach wie vor eine Aura des Unbekannten und
Geheimnisvollen. Die Verschwiegenheit und der Umstand, dass viele einflussreiche Bürger den Logen angehörten, hatte zu manchen Vorurteilen gegen die Freimaurerei geführt. Die sind besonders von
nationalsozialistischen und rechtsradikalen Kreisen als Drahtzieher verunglimpft worden. Bei dieser Einschätzung wurde unser Informationsgespräch als wohltuende Öffnung empfunden.
Die Anfänge gehen zurück auf die Steinmetzzünfte, wobei deren Werkzeuge, der Spitzhammer, der 24zöllige
Maßstab, die Kelle und der rauher Stein unverändert zur Freimaurersymbolik gehört.
Die Freimaurerei wird im Lexikon als Königliche Kunst, weltbürgerliche Bewegung auf der Grundlage einer
natürlichen Ethik und mit dem Ideal edlen Menschentums beschrieben.
Doch zurück zu unseren Besuch im Logenhaus. Anschließend schauten wir noch in den Raum, in den die
Schlaraffen tagen. Das ist aber schon wieder eine Geschichte für sich.
Dieser Jahresausflug war nicht wie jeder andere zuvor. Er hat uns einen Einblick geboten in einen Bereich,
der mit vielen Fragen und wenig Antworten behaftet war. Und was ist nun das Geheimnis?
Unser Dank gilt dem „Meister vom Stuhl“ Rolf Dieter Geffken und dem "Meister" Klaus Fischer, die
uns umfassend und sachlich informiert haben.
RUDOLF MATZNER
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