Pamir

„Pamir“ hätte so nicht auslaufen dürfen

Buchautor Johannes K. Soyener sprach vor Mitgliedern der Freimaurerloge /
Neuer Roman „Sturmlegende“ erscheint im Juni 2007

Vegesack. Sein neuer Roman erscheint im Juni dieses Jahres und trägt den Titel „Sturmlegende – Die letzte Fahrt der Pamir“. Einen ersten Eindruck seiner Recherche-Ergebnisse und Hintergründe, die zum Untergang führten, lieferte der Autor und Schriftsteller Johannes K. Soyener während eines Vortrags vor Mitgliedern der Freimaurerloge „Anker der Eintracht" im bis auf den letzten Platz besetzten Logenhaus. Soyener ist selbst Mitglied der Loge. Nachdem Herr Rolf-Dieter Geffken, Meister vom Stuhl, die Gäste begrüßt hatte, lauschten rund 140 Zuhörer gebannt Soyeners Ausführungen.

Angehörige der auf See gebliebenen Kadetten, ehemalige Matrosen der „Pamir“ und „Passat“, Segelschiffkapitäne, MS-Kapitäne, alle waren sich hinterher einig: die neuen Recherche-Ergebnisse waren nicht nur brillant präsentiert, sondern auch stichhaltig. Das Fazit des Bremer Schriftstellers: Die „Pamir“ hätte 1957 unter diesen Bedingungen den Hamburger Hafen nie verlassen dürfen. 

Protokolle, Bilanzen, Kapitänsberichte und Briefe, der ehemaligen Korrespondentreederei, sowie der ehemaligen „Stiftung Pamir und Passat“ hätten bewiesen, dass die 6. Reise der „PAmir“ unter hohem Risiko für Schiff und Besatzung stattfand. „Die Verantwortlichen wussten es besser und schwiegen nach dem Desaster“, wusste der Bremer Autor. Reederei und Stiftung hätten aber bereits vor der letzten Fahrt Kenntnis über mangelnde Kompetenz der Schiffsführung und über gravierende Mängel am Schiff. Intern zirkulierte eine ausführliche Analyse über die kritische Personalsituation, die Eignung der Offiziere und über die massiven Probleme bei der Rekrutierung. Dokumentiert seien außerdem gravierende Rostschäden, die als „Werftarbeiten“ eingestuft und vor der Reise dringend hätten durchgeführt werden müssen.

Dass die Pamir am 21. September 1957 die Zugbahn des Hurrikans „Carrie“ kreuzte, hätte an der völligen Unkenntnis an Bord über die Existenz eines tropischen Sturms im betreffenden Seegebiet gelegen. Kapitän Diebitsch hätte keinen Befehl erteilen lassen, Wetterkarten zu zeichnen. Sein Funker wäre durch Verwaltungsaufgaben überlastet gewesen. „Darüber hinaus muss angenommen werden, dass der übliche Informationsaustausch über Wetterdaten an Bord des Schiffes nicht stattfand“. Der erfahrene Hochseesegler weiter: „Jeder Skipper weiß, dass die Kenntnis eines herannahenden Sturms sofort für eine Alarmstimmung an Bord sorgt“. Bei Kenntnis über das Nahen eines Hurrikans hätte jeder an Bord einen erhöhten Adrenalinspiegel im Blut gehabt, fuhr Soyener fort. Er bewies zwingend, dass der Hurrikan nicht überraschend heranzog und die Pamir quasi überfiel. „Carrie“ vagabundierte schon seit zwei Wochen auf dem Atlantik umher, und das Geschehen lief auch nicht rasend, sondern eher im Zeitlupentempo ab. „Die Schiffsführung hatte alle Zeit der Welt, um sich gehörig darauf vorzubereiten und ein sicheres Ausweichen nach Südosten einzuleiten. Nichts geschah“, so die Recherchen des Buchautors.  Am Ende seien nicht einmal die Segel geborgen gewesen, geschweige die Bulleyes verschlossen und die Schotten dicht gemacht.

Darüber hinaus sei das Schiff  stark von Korrosion befallen gewesen. Vor allem das Hochdeck. Eine bankrotte Stiftung, unsachgemäß geschüttete Gersten-Fracht, eine mehr als fragliche Auswahl des Kapitäns, unerfahrene nautische Offiziere, teilweise Überalterung der Stammbesatzung und der Mangel an gut ausgebildeten Matrosen hätten die Voraussetzungen für das Desaster geschafft. Die „Pamir“ hätte unter diesen Bedingungen diese Reise nicht antreten dürfen.

Johannes K. Soyener kommt zu dem Schluss, dass die Kenterung der „Pamir“ der Endpunkt von Fehlern gewesen ist, die allesamt im Vorfeld hätten vermieden werden können. Ein zivilgerichtliches Verfahren hätte mehr Licht ins Dunkel getragen. „Die Angehörigen der Toten und die Überlebenden hätten ein Anrecht darauf gehabt. Stattdessen kreisen die Schuldzuweisungen seit 50 Jahren“, meinte Soyener abschließend. Trauriges Fazit der Pamir- Kenterung: Von den 86 Besatzungsmitgliedern blieben 80 auf See. Durch eine beispiellose Rettungsaktion der internationalen Schifffahrt wurden nur sechs Besatzungsmitglieder gerettet.

Soyeners Vortrag war nicht nur brillant präsentiert, sondern auch stichhaltig. Foto HDH

 Das Logenhaus der Freimaurer war an diesem Abend bis auf den letzten Platz mir rund 140 Gästen gefüllt. Foto: HDH