Royal York

Vortragsabend für Brüder zum Thema

Großen Loge von Preußen, genannt Royal York zur Freundschaft

Br. Gidon Lustig, Altgroßmeister, trug die Geschichte der „Großen Loge von Preußen, genannt Royal York zur Freundschaft“ vor.35 Brüder waren gekommen, darunter auch drei besuchende.

„Die Große Loge von Preußen, genannt Royal York zur Freundschaft“ hat einen  amtierenden Großmeister, ist jedoch keine Großloge, genießt aber innerhalb der Großloge der „Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland eine gewisse Sonderstellung.

Wie ist es dazu gekommen? Sie hat eine lange und wechselvolle Geschichte und gut zwei Stunden Vortrag und Fragen konnten sie nur oberflächlich erhellen.

Schon der Name weist Besonderheiten auf. Wie passen Preußen und England – Royal York - in diesem Logennamen zusammen?

Gegründet wurde sie 1754 oder 1762 – genau ist es offenbar nicht mehr feststellbar – von französischen Freimaurern, Gelehrten, Künstlern und Beamten in der damaligen Hauptstadt

Preußens, Berlin unter dem Namen „de l`Amitie aux trois Colombes“, zu deutsch: “Die Freundschaft zu den drei Tauben“.

1765 konnte sie den Herzog von York für die Freimaurerei gewinnen und aufnehmen und stellte sich auch später unter seinen Schutz. Dem Herzog von York zu Ehren gab die Loge

sich den Namen: „La loge Royale de York de l´Ámitie“.

Diese Loge gehörte zunächst der „Große National Mutterloge“ an, trennte sich jedoch von ihr vollständig  und erhielt 1768 ihre Anerkennung von der Großloge von England.

Es kam dann von 1774 bis 1778 zu einem vorübergehenden Zusammenschluss mit der Großen Landesloge, aber ab 1778 formierte sie sich zur „Großen Loge von Preußen“. Der heutige Name wurde ihr erst 1845 gegeben.

In der gesamten wechselvollen Gründungsphase wurde in französischer Sprache gearbeitet.

1798 erhielt sie den Status einer Großloge und gehörte damit zu den drei in Preußen zugelassenen Großlogen. Diese drei, die Große National Mutterloge, die Große Landesloge  und die Großloge von Preußen waren mit einem besonderen Privileg ausgestattet. Das 1798 durch König Friedrich Wilhelm II erlassene Edikt verbot die Teilnahme an geheimen Gesellschaften unter Strafandrohung, nahm jedoch die drei preußischen Großlogen ausdrücklich, wenn auch unter strengen Auflagen, davon aus.

Ihnen und ihren Tochtenlogen wurde das freimaurerische Arbeiten ausdrücklich gestattet.

Entscheidend geprägt wurde die Große Loge durch Bruder Feßler.

1756 in Ungarn geboren, von einer tiefgläubigen katholischen Mutter für den Priesterberuf vorbereitet, Priesterweihe mit 23 Jahren, Kapuzinermönch, trat für Neuerungen in der Kirchenpolitik ein, saß dafür im Gefängnis, wurde Doktor der Theologie und Professor für orientalische Sprachen an der Universität Lemberg, beantragte und bekam 1783 seine Entlassung aus dem Kapuzinerorden und wurde im selben Jahr Freimaurer.

1796 siedelte er nach Berlin über und schloss sich der Loge Royal York an, der er bis 1802 angehörte. Streitigkeiten veranlassten ihn auszutreten.

Bald schon war er Zugeordneter Großmeister und als solcher, Erbauer eines neuen Systems und Verfasser neuer Rituale. Für ihn war Freimaurerei eine „Erziehungsanstalt zur Vernunftmäßigkeit und Sittlichkeit zum Vorteil der menschlichen Gesellschaft“.

Nach den von ihm geschaffenen Ritualen wird heute noch in vielen Logen gearbeitet.

Die Großloge gehörte zu den ersten Logen, die etwa ab Mitte des 19. Jahrhunderts auch Nichtchristen und Juden zuließ.

Mit 11000 Mitglieder erreichte sie um 1925 herum ihren höchsten Mitgliederbestand, bei der Auflösung 1932 waren es dann noch etwa 9000 in 72 Logen.

Bei der Gründung der Vereinigten Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland im Jahre 1949 wurden fast alle Logen der Großloge Royal York genannt zur Freundschaft in diese eingegliedert. Wegen des besonderen politischen Status von Berlin wurde die 4 in Berlin arbeitenden Logen der Großen Loge von Preußen, genannt Royal York zur Freundschaft zugeordnet, blieben jedoch im Verband der Großloge AFAM und erhielten gewisse Privilegien, so z.B. das Recht einen Großmeister einsetzen zu dürfen, der aber keiner ist, gewissermaßen ein König ohne Reich.

Die Logen der ehemaligen Großloge Royal York besitzen heute innerhalb der Großloge A.F.u.A.M.v.D. keinerlei Privilegien mehr. Das beim Coburger Convent erteilte Privileg einen zugeordneten Großmeister zu ernennen wurde nie wargenommen und ist, da es weder sofort, noch bei den späteren Änderungen der Verfassung dort aufgenommen wurde, verfallen. Der heutige sogenannte "Großmeister" des Vereins "Großloge Royal York" stellt ledig den Vereinsvorsitzenden dar.

Eine ganz wesentliche Aufgabe wuchs dieser Vereinigung nach der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 zu. Da die Großloge Royal York in der ehemaligen DDR über viele Immobilien verfügte, musste die Restitution betrieben  und das so erworbene Vermögen verwaltet werden, was denn auch mit Erfolg geschah.

Die anwesenden Brüder waren hochinteressiert und erstaunt über die Geschichte dieser Loge, - die mit der Verbindung von Preußen und England im Namen-. Nur wenige konnten sich zu Beginn des Vortrags einen Reim darauf machen, wie es dazu kam. Und wer kannte schon den deutsch-französischen Ursprung. Heute wissen wir, die wir da waren, es genauer und haben Vieles über die Entwicklung der Freimaurerei in Deutschland dazu gelernt.

                    • Harald Hoppe